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Chemische Analytik auf der
Nanometerskala
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Die fortschreitende Miniaturisierung in verschiedenen
Bereichen der Technik, die zu Strukturen mit Abmessungen bis in den Nanometerbereich
(1 Nanometer = 1 Milliardstel Meter) hinein führt, macht chemische
Analysenmethoden notwendig, die gezielt solche Nanostrukturen mit hoher
Ortsauflösung untersuchen können. Sowohl für die Optimierung von
Produktionsprozessen als auch für die Qualitätskontrolle bei nanotechnologischen Produkten
sind solche "Augen für die Nanowelt" essentiell. Allerdings sind die üblichen
Nano-Mikroskope "chemisch blind", das heißt sie erzeugen zwar Bilder von der Nanowelt,
bieten aber keine Möglichkeit für chemische Analysen. Auf der anderen Seite sind Methoden
der chemischen Analytik, wie optische Spektroskopieverfahren, in ihrer Ortsauflösung oft
auf den Mikrometerbereichbeschränkt.
Im Folgenden werden Methodenkombinationen beschrieben, die in unserer Gruppe
erforscht werden, welche sowohl Bildgebung als auch chemische Analytik mit
Ortsauflösungen im Nanometerbereich ermöglichen. Außerdem werden Anwendungen
dieser Methoden in den Bereichen Biologie und Materialwissenschaften vorgestellt, so etwa
die Untersuchung bakterieller Biofilme, in Biofilmen erzeugter Dolomit-Nanopartikel
(Biomineralisierung) und neuartiger Dünnschicht-Solarzellenmaterialien.
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Messtechniken:
- Rasterkraftmikroskopie
(atomic force microscopy / AFM)
- Rastertunnelmikroskopie
(scanning tunneling microscopy / STM)
- Konfokale Laser-Mikroskopie
(confocal laser-scanning microscopy / CLSM)
- Ramanspektroskopie
- Ramanmikroskopie
- Spitzenverstärkte
Ramanspektroskopie
(tip-enhanced Raman spectroscopy / TERS)
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Anwendungsbeispiele:
- Bakterien-Biofilme
- Biomoleküle
- Biomineralisierung
- Polymer-Mischmaterialien (polymer
blends)
- Dünnschicht-Solarzellenmaterialien
- Anorganische Nanopartikel (z.B. Diamant,
Titandioxid)
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Projekte 1999-2005: siehe >> Photoakustische Spektroskopie
(PAS)
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| Nano |
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"Nano" ist nicht nur ein Modewort, das uns heutzutage immer
wieder in der Werbung begegnet. Die vom griechischen Wort für Zwerg, nanos, abgeleitete
Vorsilbe bezeichnet den milliardsten Teil einer Maßeinheit. Ein Nanometer (1 nm)
ist demzufolge ein Milliardstel Meter oder ein Millionstel Millimeter. Unter
Nanotechnologie versteht man die gezielte Herstellung und Manipulation von Strukturen,
deren Abmessungen in mindestens zwei Dimensionen im Nanometerbereich liegen. Solche
Nanostrukturen können aufgrund ihres großen Verhältnisses von Oberfläche zu Volumen sowie
ihrer Abmessungen, die nahe an denen einzelner Moleküle liegen, makroskopisch zu vollkommen
neuen Materialeigenschaften führen. Ein bekanntes Beispiel sind besonders
schmutzabweisende, nanostrukturierte Oberflächen, ein Effekt der dem Lotusblatt abgeschaut
wurde (siehe Abbildung 1 (a)). Auch die fortschreitende Miniaturisierung auf dem
Computersektor ist zu einer Herausforderung für die Nanowissenschaften geworden, da
herkömmliche Photolithographie-Verfahren bei der Herstellung immer kleinerer Leiterbahnen
in absehbarer Zeit an physikalische Grenzen stoßen werden. Vielleicht werden die
Schaltkreise der Zukunft aus einzelnen Molekülen aufgebaut sein. Auf dem Gebiet der
molekularen Elektronik sind jedenfalls bereits interessante Forschungsergebisse erzielt
worden. Aber auch in Materialien unseres täglichen Umgangs kann "nano" stecken. Abbildung 1
(b) zeigt die Oberfläche einer Mischung zweier Gummisorten und anorganischer Nanopartikel,
wie sie von einem Rasterkraftmikroskop (atomic force microscope, AFM) abgetastet wurde. Die
Probe ist ein Modell für die Zusammensetzung eines Autoreifens, welcher heutzutage aus
einer ausgeklügelten Mischung verschiedener Polymere und anorganischer Zuschlagstoffe, wie
z.B. Ruß, besteht. Da sich die Polymere nicht vollständig miteinander mischen, erhält man
"Inseln" einer Gummisorte in einem "See" der anderen.
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Abb. 1:(a) Selbstrinigung durch
Nanostrukturen: abperlende Wassertropfen auf einem Lotusblatt. (b) Oberfläche einer
Kunststoff-Mischprobe, welche die Zusammensetzng eines Autoreifens simuliert
(AFM-Aufnahme). (c) Biologische Nanostrukturen: AFM-Bild eines Bakterien-Biofilms (in
abgewandelter Form erschienen auf dem Titelbild von Analytical an Bioanalytical Chemistry
393(2), 2009).
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Nanostrukturen sind aber wesentlich älter
als Technologie und Industrialisierung: die Natur ist voll von ihnen. Subzelluläre
Kompartimente, Strukturen auf Zellmembranen (z.B. Membranproteine und Lipidaggregate) und
die extrazelluläre Matrix in bakteriellen Biofilmen (siehe Abbildung 1(c)) sind
nur einige Beispiele, wo Nanostrukturen ganz wesentliche Funktionen in der Zelle, ihrer
Wechselwirkung mit der Umgebung, sowie bei der Anhaftung von Bakterien an Oberflächen
ausüben.
All diese Beispiele machen es notwendig, geeignete chemische
Analysenverfahren zu entwickeln, die zum einen diese kleinsten Strukturen
sichtbar machen können, zum anderen aber auch Aussagen über ihre chemische
Zusammensetzung liefern können. Anders ausgedrückt sollten diese "Nano-Augen" dem
Forscher nicht nur sagen können, WIE die Strukturen aussehen, sondern auch WAS er
sieht.
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Die Problematik: Nano-Mikroskope sind
"chemisch Blind" und übliche chemische Analyseverfahren haben eine ungenügende räumliche
Auflösung
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Abbildungen 1 (b) und (c) wurden mit einem speziellen
Nano-Mikroskop, dem Rasterkraftmikroskop (atomic force microscope, AFM),
aufgenommen. Dieses tastet Probenoberflächen mit einer feinen Nadel ab, deren Spitze wenige
Nanometer im Durchmesser misst, um so ein Bild mit einer Auflösung im Nanometerbereich zu
erzeugen. Der hier gezeigte, sogenannte Phasenkontrast ermöglicht sogar die Unterscheidung
verschiedener Materialien auf der Oberfläche, lässt aber keine Aussage zu, um welche
Materialien es sich handelt (siehe Abbildung 2 (a)). Diese Eigenschaft teilt es mit vielen
anderen Nano-Mikroskopen, wie dem Rastertunnelmikroskop (scanning tunneling
microscope, STM) und dem Elektronenmikroskop. All diese Verfahren bieten zwar eine
Bildgebung mit hoher Auflösung, aber keine oder nur extrem beschränkte chemische
Information.
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Abb. 2: (a) Chemisch blinde Nano-Augen: Dieses Bild
einer Kunststoff-Mischprobe wurde mit einem AFM aufgezeichnet, welches zwar eine hohe
Auflösung, aber keine Möglichkeit zur chemischen Analyse bietet. (b) Ungenügend auflösende
chemische Analyseverfahren: Die räumliche Auflösung eines auf herkömmlicher Mikroskopie und
Spektroskopie beruhenden chemischen Analyseverfahrens (z.B. Ramanmikroskopie) ist dadurch
begrenzt, dass sich Licht nicht beliebig fein fokussieren lässt. (b) zeigt das Bild der
Probenoberfläche (a), deren Auflösung mit Bildbearbeitung auf 500 nm -- einen
typischen Wert für optische Mikroskope -- heruntergesetzt wurde.
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Auf der anderen Seite sind herkömmliche chemische
Analyseverfahren, wie die Massenspektrometrie oder die Infrarotspektroskopie in
ihrer Auflösung bestenfalls auf den Mikrometer- oder oberen Nanometerbereich
begrenzt. Das liegt an der Tatsache, dass bei diesen Verfahren die zu
untersuchende Oberfläche mit einem fokussierten Licht- bzw. Laserstrahl abgetastet wird.
Laserlicht kann sowohl zum Abtrag (Ablation) von Probenmaterial als auch zur Anregung von
Spektren mit chemischem Informationsgehalt (z.B. Infrarot- oder Ramanspektren) eingesetzt
werden. In beiden Fällen ist die Auflösung durch die Größe des Lichtflecks auf der Probe
bestimmt. Aufgrund der Beugungsgrenze lässt sich Licht aber nicht beliebig fein bündeln.
Abbildung 2 (b) zeigt das AFM-Bild der Probenoberfläche (Abbildung 2 (a)), dessen Auflösung
durch Bildbearbeitung auf 500 nm heruntergesetzt wurde. Dieser Fokusdurchmesser wind in der
Praxis typischerweise erreicht, wenn zur Lichtbündelung ein fein fokussierendes
Mikroskopobjektiv eingesetzt wird. Man erkennt, dass ein spektroskopisches Verfahren in
diesem Fall die Strukturen nicht auflösen könnte und ein aufgezeichnetes Spektrum ein
Gemisch mehrerer Komponenten wiedergeben würde.
Unser Forscherteam hat es sich zum Ziel gesetzt, hochauflösende
Bildgebungsverfahren mit chemischen Analysemethoden so geschickt zu kombinieren,
dass eine gezielte chemische Analyse von Nanostrukturen möglich wird.
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Das Team für Nanoanalytik in der Gruppe
für Analytische Chemie an der ETH Zürich
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In der Gruppe für Analytische Chemie von Prof. Dr. Renato
Zenobi an der ETH Zürich existiert seit einigen Jahren ein Team für Nanoanalytik. Derzeit
besteht es aus dem Teamleiter Dr. Thomas Schmid und den Doktoranden Johannes Stadler
und Roman Balabin, welche sich mit Kopplungen von AFM bzw. STM mit der Ramanspektroskopie
befassen, sowie den Doktoranden Thomas Schmitz und Liang Zhu auf dem SNOM-MS-Projekt.
Hinter dieser Abkürzung verbirgt sicht eine Kopplung aus der hochauflösenden Optischen
Nahfeldmikroskopie (scanning near-field optical microscopy, SNOM) mit der
Massenspektrometrie (MS). Hierbei werden kurze Laserpulse durch eine dünne Glasfaserspitze
auf die Probe geleitet. Aufgrund des Prinzips des Nahfeldmikroskops ist die Größe des
erzeugten Lichtflecks im Wesentlichen durch die Abmessungen der Spitze beschränkt. Auf
diese Weise lassen sich ungewöhnlich kleine Krater in die Probe schießen (wenige Mikrometer
bis zu einigen 100 Nanometern im Durchmesser). Das bei Atmosphärendruck abgetragene
Material wird in das Vakuum eines Massenspektrometers eingesogen und dort chemisch
analysiert.
Im Folgenden wird ein anderer Ansatz beschrieben, der ebenfalls bei
Atmosphärendruck -- unter bestimmten Umständen sogar unter Wasser --
Probenoberflächen mit hoher Auflösung abtasten und chemisch analysieren kann: die
Kombination von AFM mit der Ramanspektroskopie.
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Die Techniken: AFM, Raman und
TERS
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Um das
Ziel chemisch sehender Augen für die Nanowelt zu erreichen, verwenden wir
eine Kombination mehrerer Techniken. Auf der optischen Seite ist dies die
konfokale Laser-Mikroskopie (confocal laser-scanning microscopy,
CLSM), welche eine Bildgebung mit Auflösungen im Mikrometer- und oberen Nanometerbereich
ermöglicht, kombiniert mit der Ramanspektroskopie für die chemische
Analytik (siehe Abbildung 3 (a)). Ramanspektren sind sehr charakteristische
Signalmuster -- oder mit anderen Worten "chemische Fingerabdrücke" -- anhand
derer sich verschiedenste chemische Verbindungen in einer Probe identifizieren lassen. Die
Seite der Bildgebung mit Nanometer-Auflösung deckt das AFM --
alternativ auch das STM -- ab (siehe Abbildung 3 (b)).
Werden spezielle metallisierte AFM- bzw. metallische STM-Spitzen verwendet, lässt sich mit
solchen Kombinationsinstrumenten die spitzenverstärkte Ramanspektroskopie
(tip-enhanced Raman spectroscopy, TERS) realisieren, welche die Vorteile beider
Seiten vereint: chemische Analytik und Nanometer-Auflösung. Diese Technik ist von der
oberflächenverstärkten Ramanspektroskopie (surface-enhanced Raman
spectroscopy, SERS) abgeleitet, wo die zu untersuchenden Moleküle auf eine raue
Metalloberfläche (meist Silber) aufgebracht werden. Mit Laserlicht angeregt können die
Silberpartikel unter bestimmten Umständen das elektromagnetische Feld und damit die
Ramanstreuung verstärken. Man kann dadurch um Größenordnungen stärkere Ramansignale
erzeugen. Im Falle von TERS können sich die Probenmoleküle im Prinzip auf jeder beliebigen
Oberfläche befinden. Die Verstärkung wird durch eine metallisierte oder metallische Spitze
erzielt, die mit der Probenoberfläche in Kontakt gebracht wird (siehe Abbildung 3 (c)). Da
die Signalverstärkung nur in der direkten Umgebung der Spitze erfolgt, ist die räumliche
Auflösung dieser Technik im Wesentlichen durch die Abmessungen der Spitze bestimmt. Mit
TERS lassen sich daher chemische Informationen mit einer Ortsauflösung von 10-50 nm
erhalten, eine Größenordnung feiner als dies herkömmliche Ramanmikroskope
können.
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Abb. 3: Mit der AFM-Raman-Kombination für transparente
Proben durchführbare Experimente: (a) Normale Ramanmikroskopie liefert
chemische Informationen über die Probe mit einer räumlichen Auflösung von ca. 500 nm.
Laserstrahlung (grüner Pfeil) wird mit einem Mikroskopobjektiv auf die Probe fokussiert.
Das rückgestreute Licht (roter Pfeil) wird mit dem gleichen Objektiv gesammelt und spektral
analysiert. (b) AFM-Raman: Zusätzlich zur Ramanmikroskopie lassen sich von
exakt der gleichen Probenstelle hochaufgelöste AFM-Bilder erzeugen. (c)
TERS: Wird eine metallisierte AFM-Spitze benutzt und Laserlicht auf die Spitze
fokussiert, erfolgt verstärkte Raman-Streuung direkt unter der Spitze, was chemische
Informationen mit einer Auflösung von 10–50 nm zugänglich macht.
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Derzeit setzen wir zwei Instrumentenkombinationen ein: eine für transparente und
eine für nicht-transparente Proben. Erstere wurde in unserem Labor modular aus mehreren
kommerziellen Instrumenten zusammengebaut (konfokales Laser-Mikroskop von Olympus,
Ramanspektrometer von Kaiser Optical Systems und AFM von Veeco), letztere ist eines der
ersten kommerziell erhältlichen Kombinationsgeräte aus AFM/STM und konfokaler
Ramanmikroskopie (NTEGRA Spectra von NT-MDT). Abbildung 3 stellt Beispiele für Experimente
schematisch dar, welche sich mit der Gerätekombination für transparente Proben durchführen
lassen. Abbildung 4 zeigt das Instrument für nicht-transparente Proben in einem unserer
Nahfeldoptik-Labors.
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Abb. 4: Kombinationsinstrument zur Untersuchung
nicht-transparenter Proben (NTEGRA Spectra, NT-MDT).
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Unsere Forschung läuft auf zwei Schienen: zum einen wird
TERS weiterentwickelt, um die Technik in Zukunft zu einer robusten und
einfach einsetzbaren Analysenmethode zu machen, zum anderen werden AFM-Raman-Kombinationen
und TERS zur Untersuchung verschiedener Fragestellungen z.B. aus Biologie und
Materialwissenschaften angewandt. Die Erforschung des TERS-Effekts hat
beispielsweise zu speziell beschichteten Spitzen geführt, die das Raman-Signal sehr viel
effizienter verstärken können. Unter bestimmten Umständen können solche Spitzen sogar in
flüssiger Umgebung, also in Wasser oder Pufferlösungen, eingesetzt werden, was in Zukunft
möglicherweise genutzt werden kann, um lebende Zellen und Zellmembranen zu untersuchen.
Anwendungen unserer "Nano-Augen" an biologischen und anorganischen Proben werden in den
beiden folgenden Abschnitten beschrieben.
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Biologische
Anwendungen
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Die
Komplexität bakterieller Biofilme auf der Nanometerskala zeigte sich bei
ihrer Untersuchung mittels Konfokalmikroskopie und AFM. "Biofilm" ist hier ein Überbegriff
für natürliche Aggregate von Bakterien und anderen Mikroorganismen. Biofilme lassen sich
auf fast jeder Oberfläche finden, ein bekanntes Beispiel ist Zahnbelag. In der Technik ist
Biofilmwachstum meist ein Problem, da es beispielsweise zum Verstopfen von Ventilen und
Filtermembranen oder zu Korrosion führen kann. Andererseits ist die Ausbildung stabiler und
aktiver Biofilme das Ziel der Prozessoptimierung in der biologischen Stufe von Kläranlagen.
Sowohl zur Verbesserung der Abwasserbehandlung als auch bei der Optimierung von Bioziden
ist das Wissen über den inneren Aufbau bakterieller Aggregate unerlässlich. In unseren
Untersuchungen konnten extrazelluläre Nanostrukturen sichtbar gemacht werden, welche für
die stabile Anhaftung von Bakterienzellen an Oberflächen wichtig sind. Abbildung 5
stellt das Auflösungsvermögen von herkömmlicher optischer Mikroskopie und AFM gegenüber.
Eine Biofilmprobe wurde gleichzeitig mit konfokaler Laser-Mirkoskopie und AFM untersucht.
Die 1–2 Mikrometer großen Bakterienzellen können mit beiden Techniken sichtbar gemacht
werden, während extrazelluläre Nanostrukturen nur vom AFM fein genug abgetastet werden
können.
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Abb. 5: Mikroskopbilder einer Biofilmprobe aufgenommen
mittels (a) konfokaler Laser-Mikroskopie (CLSM) und (b, c) Rasterkraftmikroskopie
(AFM).
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Abbildung 6 zeigt die dreidimensionale Darstellung eines AFM-Bildes einer
Bakterienzelle mit Pili, Flagellen und sogenannten extrazellulären polymeren Substanzen
(EPS). Ziel weiterer Forschungen ist es, neben der hier gezeigten strukturellen Komplexität
den chemischen Aufbau dieser Strukturen zu untersuchen und herauszufinden, wie sich etwa
Polysaccharide und Proteine in der Biofilmmatrix verteilen. Experimente an Modellproben
haben bereits gezeigt, dass TERS sowohl für Polysaccharide (z.B. Alginat)
als auch Proteine (z.B. Cytochrom c) charakteristische Raman-Signale
erzeugen kann, anhand derer sie sich möglicherweise in Zukunft in biologischen Proben mit
Nanometer-Präzision lokalisieren lassen.
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Abb. 6: Dreidimensionale Darstellung eines AFM-Bildes
eines Bakteriums mit extrazellulären Nanostrukturen, wie Pili, Flagellen, Hydrokolloiden
und extrazellulären polymeren Substanzen (EPS).
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Erste chemische Untersuchungen an Nanostrukturen in Biofilmen wurden an Aggregaten
des Bakteriums Halomonas meridiana durchgeführt. Erst vor kurzem wurde
nachgewiesen, dass dieses Bakterium eine Rolle bei der Entstehung von Mineralen und
Gesteinen, der sogenannten Biomineralisierung, spielt. Die Entstehung von
Dolomit auf der Erdoberfläche bei normalen Umgebungstemperaturen und
Atmosphärendruck konnte so erklärt werden. Um diesen Prozess genauer untersuchen zu können,
wurden diese Bakterien in Zusammenarbeit mit dem Department Erdwissenschaften der ETH
Zürich im Labor gezüchtet. Mittels Elektronenmikroskopie konnten Mineralpartikel gefunden
werden, welche die Elemente Calcium und Magnesium enthalten. Nur die präzise chemische
Information der Ramanspektroskopie konnte aber nachweisen, dass die Nanopartikel wirklich
aus Dolomit und keinem anderen Carbonat-Gestein, wie etwa Hydromagnesit oder Calcit
bestehen. Die Methodenkombination aus AFM und Raman war in diesem Fall unbedingt notwendig,
um die Nanopartikel in der komplexen Biofilm-Matrix ausfindig zu machen und schließlich mit
einem Laserstrahl gezielt zu beproben (siehe Abbildung 7).
Die Entstehung der Mineralpartikel ist vermutlich auf ein Zusammenspiel aus Anreicherung
von Calcium- und Magnesiumionen an den Zelloberflächen und in der extrazellulären Matrix
sowie Kohlendioxid-Erzeugung und pH-Wert-Änderung durch Stoffwechselprozesse der Bakterien
zurückzuführen.
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Abb. 7: (a) AFM-Bild eines Halomonas meridiana-Biofilms,
auf dem Bakterien (weiß) und extrazelluläre Matrix (Brauntöne) zu erkennen sind. (b)
Hochaufgelöste AFM-Aufnahme des in (a) markierten Ausschnitts, welche die beprobten
mineralischen Nanopartikel zeigt. (c) An der mit * markierten Stelle aufgenommenes
Raman-Spektrum (1), welches zeigt, dass die Nanopartikel aus Dolomit bestehen. (2) ist ein
Referenzspektrum mit dem für Dolomit charakteristischen Signal n
1 (CO3 2-). Das Silizium-Signal erscheint ebenfalls in Spektrum (1), da eine aus Silizium
bestehende AFM-Spitze zur präzisen Markierung der Beprobungsstelle (*) auf der Probe
geparkt wurde.
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Anwendungen in den
Materialwissenschaften
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Seitenanfang |
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Das
Helmholtz-Zentrum Berlin für Energie und Materialien erforscht neuartige
Solarzellen, die als Absorber Mikrometer-dünne Schichten z.B. aus
Kupfer-Indium-Sulfid (CuInS2, CIS) enthalten. Solche Dünnschicht-Materialien sollen in
Zukunft die kostengünstige Herstellung von Solarzellen in hohen Stückzahlen ermöglichen. Es
leuchtet ein, dass aufgrund der geringen Schichtdicke Verunreinigungen mit Abmessungen im
Nanometerbereich bereits einen merklichen Effekt auf die Qualität der Solarzelle haben.
Daneben beeinflussen Segregate, d.h. die Entstehung von Kupfersulfid und Indiumoxid
anstelle des gewünschten CIS sowie die Kristallstruktur des Absorbermaterials die Effizienz
der Solarzelle. Bei CIS ist etwa bekannt, dass diese Verbindung in mindestens zwei
verschiedenen Strukturen kristallisieren kann: Chalkopyrit-artiges CIS (CH CIS) ist die in
Solarzellen gewünschte Form, dagegen erniedrigt CIS vom CuAu I-Typ (CA CIS) die Effizienz
der Solarzelle. Im Rahmen einer Zusammenarbeit wurden in unseren Labors Querschnittsproben
solcher Dünnschichtmaterialien mit Ramanmikroskopie und AFM untersucht. Die Studie zeigte
das Pozenzial von Raman und daraus abgeleiteten Kombinationstechniken in diesem Bereich.
Abbildung 8 (a) gibt Spektren wieder, die an verschiedenen Stellen dieser Proben
aufgenommen wurden und sich verschiedenen chemischen Bestandteilen zuordnen lassen: CIS,
Kohlenstoff und Kupfersulfid. Bei CIS lassen sich sogar die beiden Kristallstrukturen CA
und CH unterscheiden. Signale, welche für genau eine der chemischen Komponenten
charakteristisch sind, wurden farblich hinterlegt. Die Intensitätsverteilung der
hervorgehobenen Signale auf dem untersuchten Probenquerschnitt zeigt Abbildung 8 (b). Ein
solches "Raman Map" ist ein Bild der Probe, welches alleine auf einem chemischen Kontrast
beruht: die Farben zeigen die Verteilung verschiedener chemischer Bestandteile mit einer
Auflösung von ca. 400 nm. Deutlich erkennt man die 1-2 Mikrometer dünnen Schichten aus den
beiden CIS-Formen sowie Segregat-Partikel aus CuxSy und Kontaminationen aus
nanokristallinem Kohlenstoff. Solche Messungen können einen wesentlichen Beitrag zur
Verbesserung der Herstellung von Dünnschicht-Solarzellen liefern.
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Abb. 8: (a) An verschiedenen Stellen einer
Dünnschicht-Solarzellenprobe aufgenommene Raman-Spektren, die unterschiedlichen chemischen
Bestandteilen zugeordnet werden können: Chalkopyrit-artiges CuInS2 (CH CIS, Spektrum 1),
CuInS2 vom CuAu I-Typ (CA CIS) und nanokristalliner Kohlenstoff (Carbon, Spektrum 2) sowie
Kupfersulfid (CuxSy, Spektrum 3). (b) Das Raman-Bild zeigt die Verteilung der verschiedenen
Komponenten auf einer Querschnittsprobe. Das Bild basiert auf den Intensitäten der in (a)
farblich hinterlegten Signale.
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Weitere materialwissenschaftliche und anorganische Proben, die unser Team mit
AFM-Raman-Kombinationen und TERS untersucht hat bzw. derzeit untersucht, sind
Polymer-Mischproben (ähnlich Abbildungen 1 und 2) und anorganische
Nanopartikel, z.B. aus Titandioxid und Diamant.
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